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    Karol Radziszewski

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Kunstwerk des Monats

Oktober 2020

Youaretheonlyone 2009 RuthMariaObrist

Ruth Maria Obrist (*1955 in Laufenburg)

You are the only one, 2009

Schwarzer Filzstift auf Klebband, auf Holz
Objektmass: 4.5 x 52 x 2.8 cm
Inventarnummern: 3225


Leicht über der Augenhöhe, als würde es schweben, befindet sich in der aktuellen Sammlungsausstellung des Kunst(Zeug)Haus das vorliegende Kunstwerk von Ruth Maria Obrist. Sozusagen eins mit der Wand, schafft es mit seiner schwarzen Farbe einen starken Kontrast. Durch sein kleines Format animiert es den Betrachter, näherzutreten, um sich mit dem Kunstwerk zu befassen, denn auf diesem steht etwas geschrieben, was sich von weitem nicht zu erkennen gibt.

Obrist ist dafür bekannt, dass sie verschiedenste Materialen miteinander kombiniert. Im beschriebenen Werk verwendet sie ein Klebeband, das die Vorlage für eine digitale Schrift bildete, übermalt dieses mit schwarzem Filzstift und hinterlässt mit den ausgesparten, weissen Punkten die Nachricht You are the only one auf einem schmalen, einzelnen Holzstück.

Wiederverwenden, Reduzieren und Formen sind die Haupttätigkeiten, die sich in Obrists Werk erkennen lassen. Voraussetzung für ihre einzelnen Arbeitsschritte ist ein systematisches Durchdenken und Ausprobieren. So hält die Künstlerin ihre Arbeitsprozesse stets in einem Buch fest, das ihren Weg zum jeweiligen Kunstwerk aufzeigt. Auch das Kunstwerk You are the only one mit seinen zweihundertvierundfünfzig akkuraten, runden Punkten, zeigt ein System auf, das zuvor geplant wurde. Obwohl jeder einzelne Punkt auf gleiche Weise entstand, bekommt ein jeder seinen eigenen Platz, welcher dann essentiell für die Gesamtbotschaft ist. Visuell unverbunden spielen die runden Formen mit den Grenzen der Auflösung und können unterschwellig mit dem zu vermittelnden Inhalt korrespondieren, der jemanden als einzigartig hervorhebt.

In Verbindung mit der Geschichte der Schrift knüpft die verwendete Technik des Reduzierens an Reliefs an, wie sie zum Beispiel bei altägyptischen Hieroglyphen angewendet wurde, die in der Fläche erhabene Motive unterschiedlich stark hervortreten lassen. Ähnliche Verfahren sind in Kupferstichen zu finden, die ebenfalls erscheinen lassen, was vom Künstler sozusagen abgetragen wurde und mit den ausgesparten leeren Stellen das gewünschte Bild erzeugen. Das tiefdruckgraphische Verfahren hinterlässt auf dem Papier nur die Farbe, die in der Vertiefung zurückbleibt.

Die Auseinandersetzung mit dem Themenbereich Schrift beginnt im Werk der Künstlerin bereits in den 1980er-Jahren mit Buchobjekten und -installationen. Das geschriebene Wort hat für sie Gewicht, wobei sie sich auch kritisch dem Wahrheitsanspruch stellt und es ebenso in der materiellen Präsenz, sei es in Buchform oder eben als Kunstwerk, hinterfragt. Aktuelle Themen, wie die Digitalisierung, spricht Obrist hierbei in ihrem Kunstwerk You are the only one  an, indem sie eine digitalen Schrift verwendet und dies noch dazu in englischer Sprache.

Das «bepunktete» Kunstwerk von Ruth Maria Obrist vollzieht dem Titel gemäss eine Wertung, wobei die Ursprungsmenge undefiniert bleibt, das Einzelne hervorgehoben oder das Alleinsein betont wird. Es wird dem Betrachter überlassen, ob er es als eine Definition, eine Bestimmung, eine Wertung, eine Liebeserklärung, eine Warnung o. ä. verstanden haben will. Spannend hierbei ist, dass gerade diese vielfachen Lesearten im Widerspruch zu der Singularität des Kunstwerks stehen.

Ruth Maria Obrist (*1955 in Laufenburg) Malerin, Objektkünstlerin und Werkleiterin, lebt und arbeitet in Baden.

Text, Romina Bearth, Praktikantin Kunst(Zeug)Haus


Das «Kunstwerk des Monats September» ist Teil der Ausstellung «Ex Libris. Literatur und Schrift in der Sammlung Bosshard» und kann noch bis 10. Januar 2021 im Kunst(Zeug)Haus besichtigt werden.




Abb. 1: Ruth Maria Obrist, You are the only one, 2009, Sammlung Kunst(Zeug)Haus