
Kunstwerk des Monats
Februar 2026
Objekt P II, 1986
Erwin Gloor (*1941)
Draht, Stoff (mit Kleister versteift), Faden, Acrylglas
20 x 18 x 18 cm
Inv.-Nr. 1291
Objekt P II entspringt einer beinah obsessiven Faszination für das Licht, die Erwin Gloor seit Jahrzehnten zu künstlerischen Reisen antreibt. Unermüdlich versucht der Künstler, das Licht und seinen Gegenpol – den Schatten – einzufangen. In diesem Werk bahnt sich ein gelb strahlender Pfeil seinen Weg durch tiefblaue Abhänge. Es ist Gloors Blick ins Prättigau mit seinen schlanken, sich windenden Nebentälern, wo der Künstler regelmässig seine Ferien verbrachte.
Gelb ist das Licht, Blau dessen Abwesenheit. Weitere Farben bräuchte er nicht, meinte Gloor in einem Interview. Bereits in jungen Jahren begab er sich auf die Suche nach einer angemessenen Darstellung des Lichts. Seit 1959, noch unter dem Einfluss grosser Leitfiguren wie Paul Cézanne, Georges Seurat, Paul Signac und Alfred Sisley, beschäftigte er sich mit der Erkenntnis, dass Farbe ihre stärkste Strahlkraft nicht durch Mischung auf der Palette, sondern durch ihr reines Neben- und Übereinander entfaltet. Für Gloor hiess das: Gelb neben Blau. Blau neben Gelb.
In den 1980er-Jahren verdichtete sich die Darstellung des Lichts in seinen Gemälden und Zeichnungen zum Symbol des Pfeils. Mit Objekt P II geht Gloor noch einen Schritt weiter: Hier materialisiert der Künstler das Lichtbündel und formt aus Textilien einen dynamisch-bewegten Pfeil, der seinen Weg durch Raum und Zeit bahnt.
Erwin Gloor (*1941) absolvierte zunächst eine Lehre als Dekorateur, gefolgt von einem Volontariat als Grafiker. Nach einer längeren Reise nach Südfrankreich entschied er sich, als freischaffender Künstler zu arbeiten. 1966 wurde sein Werk in einer ersten Einzelausstellung im Museum zu Allerheiligen in Schaffhausen gewürdigt; zahlreiche weitere Ausstellungen folgten. Neben dem Prättigau zählt auch der Rheinfall zu den wiederkehrenden Motiven, mit denen sich der Schaffhauser intensiv auseinandersetzt. Einen markanten Kontrast zu seinem früheren Werk bilden die monumentalen, fotorealistischen Arbeiten, die Gloor seit der Jahrtausendwende malt und die er selbst als Befreiungsschlag empfindet.
Text: Aina Vogt
