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Kunstwerk des Monats
Juni 2026

Fladen, 1998

Biefer/Zgraggen (Zusammenarbeit 1983–1999)
Kieselsteine, Beton, 12-teilig
Je ca. 28 cm Durchmesser
Inv.-Nr. 2191



Ein Mond? Ein Brot? Oder doch ein Kuhfladen? Die flachen Betonscheiben liegen aufeinander, nebeneinander und einer hängt sogar an der Wand. Grobe Kieselsteine durchbrechen die graue Oberfläche und verleihen den Fladen eine raue, beinahe organische Struktur. Dass das 12-teilige Werk schlicht Fladen als Titel besitzt, ist Absicht: So lassen das Künstlerduo Biefer/Zgraggen die Betrachtenden rätseln, um welche Fladen es sich wohl handelt. Ein Kuhfladen scheint genauso möglich wie ein Fladenbrot. Ähnlich wie bei einem archäologischen Artefakt, bei dem man rätselt, was es einst wohl für einen Zweck erfüllte.

Die beiden Künstler wurden nicht ohne Grund oft als «Archäologen der Gegenwart» bezeichnet. Zwischen 1985 und 1988 beginnen sie, Betonböden von Ausstellungsräumen aufzubrechen und die gebaute Umwelt wie ein Grabungsfeld zu behandeln. Mit ebenso viel Geduld wie Schalk befördern sie vermeintliche Zeugnisse einer fiktiven Apokalypse zutage. Aus der Perspektive einer möglichen Zukunft erscheinen alltägliche Gegenstände plötzlich fremd: Büchsen, Teller oder Beton verwandeln sich in archäologische Funde einer verlorenen Zivilisation des 20. Jahrhunderts.

Biefer/Zgraggen untersuchen unsere ernste Welt mit viel Humor. Was macht uns eigentlich aus? Was würde bei einer Apokalypse zurückbleiben? Das Künstlerduo betrachtet unsere Welt wie Forschende aus einer unbekannten Zukunft und halten uns einen ungewohnten Spiegel vor. Auch die Fladen erscheinen als rätselhafte Relikte, deren Bedeutung verloren gegangen ist – zurück bleibt nur ihre rohe, überraschend banale Materialität aus Beton.

Marcel Biefer (*1959) und Beat Zgraggen (*1958) bildeten von 1983 bis 1999 das Künstlerduo Biefer/Zgraggen. Marcel Biefer absolvierte zunächst eine Lehre als Hochbauzeichner und arbeitete anschliessend als Hilfskoch, bevor er von 1982 bis 1986 die F + F Schule für experimentelle Gestaltung in Zürich besuchte. Beat Zgraggen liess sich zum Lehrer und Landwirt ausbilden und war später als Agronom tätig; von 1986 bis 1988 studierte auch er an der F + F. In den konzeptuellen Medienarbeiten und Installationen des Duos beschäftigten sie sich mit gesellschaftlichen Fragestellungen sowie mit Themen aus der Archäologie, Ethnologie und dem zeitgenössischen Kunstbetrieb.

Text: Aina Vogt